Veteran im Interview: Kameradschaft ist etwas, das man in der Schule nicht lernt
Otfrid, Oberst der Reserve, war in den 1970ern Zeitsoldat und anschließend für viele Jahre Reservist. Ein Gespräch über eine Bundeswehr-Karriere vom Panzergrenadier bis zum Presseoffizier.
Otfrid, warum hast du dich für die Bundeswehr entschieden?
Es war für mich selbstverständlich, dass ich die Wehrpflicht erfülle und nicht aus Gewissensgründen verweigere. Ich sah das als Pflicht an. Für mich war dann die Frage: Warte ich, bis ich eingezogen werde? Hätte ich den regulären Grundwehrdienst absolviert, der damals 18 Monate dauerte, hätte ich nach anderthalb Jahren mein Studium unterbrechen müssen. Um das zu vermeiden, habe ich mich direkt nach dem Abitur mit 18 Jahren als Soldat auf Zeit verpflichtet: erst einmal für zwei Jahre, und dann war ich noch bis 2017 Reservist.
Was hat der Dienst mit dir als Mensch gemacht?
Erstmal war es ein Schock. Als Abiturient war ich so etwas nicht gewohnt, und bei den Panzergrenadieren war es ziemlich hart, es ging durch Matsch und Schlamm. Auch der laute Befehlston hat mich anfangs gestört. Aber ich habe eingesehen, dass es anders nicht geht, und später habe ich es dann auch gekonnt. Die Ausbildung war sehr fordernd, aber ich war hinterher sehr gestärkt, körperlich und auch in meiner Haltung. Und ich habe gelernt, Teams zu leiten, Verantwortung zu übernehmen, jeden so zu nehmen, wie er ist, und die Gruppe dazu zu bringen, dass sich alle gegenseitig helfen.
Welche Werte oder Erfahrungen hast du außerdem mitgenommen?
Auf jeden Fall Kameradschaft. Das ist etwas, das lernt man in der Schule nicht. Wenn man aufeinander angewiesen ist und es wirklich hart ist, dann merkt man erst, wie wichtig Kameradschaft ist. Dazu kommt Disziplin. Auch die habe ich bei der Bundeswehr gelernt. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass man Bundeswehr und Soldaten nie als Feindbild sieht, sondern versteht, dass Menschen gedient haben, weil sie es als ihre Pflicht angesehen haben. Gerade zum Veteranentag sollte sichtbarer werden, was diese Menschen für die Freiheit und Sicherheit geleistet haben.